30. April 2018 – Der ermordete Maibaum

Mai 8, 2018

Aus dem kurzen Leben eines Maibaumes.

Einst stand ich als stolze hochgewachsene Fichte in den Wäldern des Seiberers bis ich von meinem Besitzer und einigen wackeren Jüngern der FF Meisling als Maibaum auserkoren wurde.

Nach der fachgerechten Schlägerung wurde ich sanft entrindet um ja keinen unnötigen Schaden zu erleiden. Der Transport zum Feuerwehrhaus verlief trotz meiner stolzen Länge von ca 23 Metern problemlos. Sanft abgelegt auf dem Gehsteig vor der Firma Weichseldorfer wartete ich auf meinen Auftritt am 5. April.

Doch es kam ganz anders. Des nächtens vom 29. zum 30. April wurde ich durch ein knapp neben mir einparkendes Auto aus meinem Schlummerschlaf geweckt. Einige dunkle Typen machten sich an mir zu schaffen. Plötzlich bemerkte ich einen sägenden Schmerz in der Mitte meines Stammes mitten durchs Herz. Dann verschwand das Auto ohne das Lich aufzudrehen. Danach war wieder vollkommene fast unheimliche Stille.

In den Morgenstunden wurde der angerichtete Schaden festgestellt. Ich wurde bis zur Hälfte durchtrennt. Ja durchtrennt.

Bei diversen Diskussionen hörte ich auch das Wort Brauchtum.

Für mich, der ich jetzt un-brauch-bar wurde, ist es Feigheit mich heimlich in der Nacht unbrauchbar zu machen (zu ermorden).

All die mühevolle Arbeit war mit einem Schnitt umsonst.

Sicher gibt es einen Ersatz der am 5. Mai aufgestellt und am 6. März unter den Besuchern verlost wird.

Euer trauriger „fast Maibaum“.

Untermeisling, am 30. April 2018

Keine Kommentare.